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Verkannte Meisterwerke
Es gibt Bands, die Alben veröffentlichen, auf denen nahezu jeder
Song mich umbläst, mir Gänsehaut ohne Ende bereitet oder
mich einfach nur träumend dahinsinken lässt. Kurze Zeit
später dümpeln sie dann mehr oder weniger motiviert vor
sich hin und/oder lösen sich aufgrund Erfolglosigkeit auf. Die
Gründe hierfür werden in der Regel auf einige Standardformeln
und "Hauptschuldige" reduzieren:
Plattenfirma!
- Mangelndes künstlerisches (und damit vermarkterisches) Verständnis,
zu kurzfristige Denk- und Sichtweise, fehlende Aufbauarbeit, überambitionierte,
unrealistische Erwartungshaltung, fehlerhafte oder gänzlich ausbleibende
Vermarktung, Strategie- oder Personaländerungen, mangelhafter Vertrieb
Management!
- Allgemeine Geldgeilheit, Faulheit, mangelnde Vermarktungskompetenz,
überzogene Ansprüche und Forderungen gegenüber Plattenfirmen
und/oder Tourveranstaltern, zwielichtige Vertrags- und/oder Vermarktungspolitik
Band!
- Tourfaulheit, Arroganz gegenüber Fans und/oder Medien, überzogene
Selbsteinschätzung und Forderungen gegenüber Plattenfirma,
Management und/oder Tourveranstaltern, Abgang eines prägenden
Bandmitgliedes
Perlen VOR die Säue oder Perlen FÜR die Säue?
Ein Faktor für die Erfolglosigkeit von talentierten Bands bleibt
allerdings oft unberücksichtigt. Auch in der von vielen als "in
sich verschworen, an sich offen" angesehenen Gemeinschaft der
Rock und Heavy-Metal Szene. Nämlich die Ignoranz, Engstirnigkeit
und Manipulierbarkeit der sogenannten
Fans?
- die lieber den 20sten Bootleg, den 30sten Digipack und die 40ste Maxi
von Musikgrößen kaufen, die sowieso bis zum Erbrechen gehyped
sind und/oder ihren künstlerischen Zenith schon längst überschritten
haben.
- die 100 Euro bezahlen, um abgehalfterte Rockstars aus 100 Metern
Entfernung zu beklatschen, die sich kaum noch an ihre eigenen Songs
erinnern können.
- die, wie 50.000 andere auch, für das 50ste, oft lieblos gestaltete,
Fan-Shirt 50 Euro hinblättern, um aller Welt zu zeigen, dass sie
quasi der einzig "wirkliche" Supporter der Band sind.
Wer sich in Foren, Leserbriefen oder sonst irgendwo darüber beschwert,
dass er sich von seiner Lieblingsband "abgezockt" fühlt,
ist doch meistens selbst daran schuld. Zu 99% findet man jede reguläre
Scheibe einer Band zu (halbwegs) annehmbaren Preisen in den einschlägigen
Plattenläden, bei den bekannten Mailorder-Firmen, auf den Homepages
der Bands selbst oder auch auf ebay.
Wer denn wirklich restlos alles von seiner Lieblingsband haben muss
und/oder tatsächlich denkt, dass auf dem neuesten Digipack, der
neuesten Maxi oder der neuesten Compilation einer Band DER Überhit
der Band selbst zu finden ist (was zu 99% natürlich nicht der
Fall ist), der soll bitte nicht über die betriebswirtschaftlich
absolut nachvollziehbare Politik der Labels meckern. Diese wird logischerweise
solange aufrecht erhalten, wie sich entsprechend "dumme"
Käufer finden lassen, derer es ja offensichtlich noch genug gibt...
Verkannte Alben und Bands der Rock- und Metal-Szene
Hier einige ausgewählte Bands und musikalischer Geniestreiche,
die meiner Meinung nach eindeutig mehr Aufmerksamkeit und Respekt
verdient haben. Die Liste könnte (leider) nahezu unendlich fortgesetzt
werden:
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Flotsam & Jetsam: No Place for Disgrace
1985 | Noise | 40:13 min.
Raise the Dead, Rotten to the Core, There's no Tomorrow, Second
Son, Hammerhead, Feel the Fire, Blood and Iron, Kill at Command,
Overkill, Sonic Reducer
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Vicious Rumors: Digital Dictator
1987 | Noise | 45:44 min.
Power-Metal-Referenz aus der altbewährten Bay-Area-Schmiede.
Leider fand die einst so prachtvolle Band nach dem Tod ihres Sängers
nie wieder zu alter Stärke zurück.
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Death Angel: The Ultra-Violence
1987 | Enigma | 45:20 min.
Death Angel. Ewig genial. Hoffe das Comeback kommt noch besser
in die Gänge.
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Voivod: Dimension Hätross
1987 | Noise | 40:00 min.
Krachender kanadischer Post-Punk-Prä-Techno-Thrash-Bastard
der innovativen Musiker- und Kritiker-Lieblinge, die stets genial,
aber trotz permanenter Reifeprozesse immer am Mainstream-Metal-Publikum
vorbei agierte.
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Sanctuary: Into The Mirror Black
1989 | Atlantic | 56:24 min.
Frühes Highlight des Progressive-Metals, damals in dieser
Nische meist überschattet von Fates Warning. Immerhin konnte
sich die (etwas härtere) Nachfolgeband Nevermore mittlerweile
einen festen Stand in der Szene erarbeiten!
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Coroner: No More Color
1989 | Noise | 34:24 min.
Die Schweizer Techno-Thrasher waren dem durchschnittlichen Metal-Fan
wohl zu kompliziert und mit jedem Album dem jeweiligen Zeitgeist
um einige Jahre voraus.
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Mekong Delta: Dances Of Death ...
1993 | Atlantic | 51:41 min.
Zugegebenermaßen anspruchsvoller bis anstrengender Prog-Thrash,
oft mit klassischen Einflüssen. Technisch astrein, von Kritikern
(zu recht) hochgejubelt, von Fans meist ignoriert.
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Armored Saint: Symbol Of Salvation
1991 | Metal Blade | 57:10 min.
Jahrelang, vom ersten Album an, eine Kultband, Kritiker- und Musiker-Liebling,
von Metal-Fans aber meist ignoriert, zogen Armored Saint mit diesem
Album einen fulminanten Schlussstrich unter eine kurze Reihe von
unvergessenen Meilensteinen.
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Neurosis: Souls At Zero
1992 | Alternative Tentacles | 61:26 min.
Nihilismus gepaart mit akustischer Genialität. Legendär
sind vor allem die Percussion-Infernos von Neurosis bei Live-Konzerten.
Das Album ist sogar das eingängigste einer unkonventionellen
Band.
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Galactic Cowboys: Galactic Cowboys
1991 | Geffen | 58:30 min.
Einfach geiles Debut-Album.
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Lake of Tears: A Crimson Cosmos
1997 | SPV | min.
Besser als Amorphis schon mit Headstones.
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Risk: Dirty Surfaces
1990 | Steamhammer | 43:30 min.
Die deutschen Kult-Thrasher Risk dürften dank Ihrer coolen
Plattencover, vor allem Ratman, einigen Fans schon mal unterekommen
sein und zählten Ende der Achziger zur größte Thrash-Hoffnung
neben Sodom, Kreator und Destruction.
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Stabbing Westward: Darkest Days
1998 | Columbia | 64:25 min.
Einer von vier düstereren Industrial-Klassikern einer zwischenzeitlichen
Platin-Band, nihilistisch über melancholisch bis manchmal auch
richtig lebensfroh. Die Songs teilweise bekannt aus Filmen wie "The
Crow" und "Bad Boys". R. I. P.
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